Rendezvous

von Philippe Soupault

Aus dem Französischen und Bearbeitung: Valerie Stiegele
Regie: Hans Gerd Krogmann
Produktion: BR 1990
Länge: 54’20

Mit Siegfried Kernen, Paul Bürks, Doris Schade u.a.

In einem Vorzimmer, in dem die erstickende Atmosphäre von Kafkas Schloss und Sartres Geschlossener Gesellschaft herrscht, sitzen ein paar Männer und Frauen, die dem Ruf zu einem mysteriösen Rendezvous gefolgt sind. Sie warten. Worauf? Sie wissen es nicht. Sind sie tot? Leben sie noch? Sie warten. Diejenigen, die schließlich vorgelassen werden, kehren schreiend wieder ins Vorzimmer zurück: Sie haben nichts anderes erlebt als schreckliche Visionen und unerträgliche Geräusche und sind keiner anderen Instanz begegnet, als ihren eigenen, ins Fantastische gesteigerten Lebensfixierungen.

Philippe Soupault gehörte zu den Gründern der surrealistischen Bewegung und schrieb, zusammen mit André Breton, im Jahr 1919 den ersten surrealistischen Text der Literaturgeschichte: Die magnetischen Felder. Obwohl er acht Jahre danach als „Abtrünniger“ aus dem Kreis ausgeschlossen wurde - Soupault schrieb Romane, was ihm die orthodoxen Surrealisten nicht verziehen! - sind auch in seine spätere Lyrik und Prosa immer wieder surrealistische Elemente eingeflossen: widersprüchliche Bilder, welche die etablierte Ordnung der Welt und die Gesetze der Logik aufheben.

Philippe Soupault (1897-1990), französischer Dichter und Schriftsteller. Studium der Rechtswissenschaft. Reportertätigkeit. ab 1938 Aufbau des tunesischen Rundfunks, vom Vichy-Regime abgelöst und verhaftet. Programmgestalter beim französischen Rundfunk. Hörspieladaptionen u.a. Die magnetischen Felder (SR/BR/FC 1997), Der Neger (DLR 2002).