Rot und schwarz

von Stendhal
Aus dem Französischen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski
Nach dem gleichnamigen Roman von Stendhal

Regie: Marguerite Gateau
Komposition: Christian Zanési
Bearbeitung: Helmut Peschina
Produktion: DLR/ORF 2004/2005
Länge: 58'


Der junge Julien Sorel lebt in der Provinz. Er ist von einfacher Herkunft, sein Wille zum gesellschaftlichen Aufstieg aber ist unerschütterlich. Als Hauslehrer tritt er in die Dienste des Bürgermeisters von Verrières und bringt es durch Können und Charme schnell zu Ansehen. Die Eroberung von Madame de Rénal, der Frau des Bürgermeisters, ist anfangs vielleicht nur ein Instrument zum gesellschaftlichen Aufstieg. Als das Verhältnis mit Madame de Rénal zum Skandal zu werden droht, bleibt Julien nur die Flucht ins düstere Priesterseminar. Doch bald schon erklimmt er die nächste Stufe: Er wird Sekretär des Marquis de la Mole und Liebhaber der Tochter des Hauses, Mathilde. Julien ist ganz oben angekommen in der herrschenden Pariser Adelsgesellschaft.

Die Geschichte des Emporkömmlings Julien Sorel, dessen Aufstieg am Ende scheitert, gilt als Stendhals berühmtestes Werk und als ein herausragendes Dokument der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Es erschien 1830, in einer Zeit des Umbruchs: das Bürgertum drängte in die herrschenden Positionen, restaurative Tendenzen von Adel und Klerus steuerten dagegen. Stendhal stellte in seinem Roman, dessen Titel die Farben der beiden mächtigen Stände jener Zeit, Militär und Klerus, symbolisierten, eine hochmoderne Frage: Wie weit entscheiden Talent und Leistung des Einzelnen über seine soziale Position?

Mit: Markus Meyer, Chris Pichler, Jascka Lämmert, Linda Olsansky, Cornelius Obonya, Corinna Kirchhoff, Michael Rotschopf u. a.

Stendhal, (1783-1842), eigentlich Marie-Henri Beyle, geboren in Grenoble, war Verfasser zeitkritischer Romane, Novellen und Reiseberichte und gilt als Mitbegründer des literarischen Realismus in Frankreich. Zu seinen Lebzeiten fand Stendhal wenig Anerkennung. Victor Hugo äußerte, dass "von Herrn Stendhal" nichts bleiben werde, Goethe hingegen erkannte in "Rot und Schwarz" einen der bedeutendsten Romane der Zeit. In Verehrung von Johann Joachim Winckelmann wählte Beyle sein Pseudonym nach dessen Geburtsort Stendal im heutigen Sachsen-Anhalt.