Sand - ein Attentäter

von Tankred Dorst/Ursula Ehler

Bearbeitung: Christoph Buggert
Regie: Heinz von Cramer
Produktion: BR 1973
Länge: 57'

Im Frühjahr 1819 reist ein Student von Jena nach Mannheim. Er hat zwei Messer im Rock. Das eine, um den Dichter Kotzebue - für die damalige Studentenschaft der Repräsentant der politischen Reaktion -, das andere, um sich selbst zu töten. Eine Reise Jena-Mannheim dauerte zu jener Zeit etwa fünf Tage. Der Student Sand braucht vierzehn. Er ist ein Einzelgänger, der für sich die befreiende Tat sucht - aber sie wird zu einem europäischen Politikum. Am 23. März erdolcht der 24jährige Theologiestudent Kotzebue. Nach der Tat wird Sand verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Seine Tat gab den Anlass für die sogenannten Karlsbader Beschlüsse, der restaurativen Verfolgung aller demokratischen Bestrebungen in Mitteleuropa. "Tankred Dorst versucht möglichst exakt eine Bewusstseinslage zu rekonstruieren, die zu dem - vom Täter moralisch motivierten - Mord führt. Die Vorgänge werden punktuell nachgezeichnet, aber auch auf kurze Bemerkungen, Gesten, Signale reduziert: auf Erinnerungsfragmente, die sich nachträglich zu einem Bedeutungszusammenhang fügen." (Gong, 18.12.1995)

Mit Ernst Jacobi, Robert Seibert, Rolf Becker, Franz Kutschera, Claudia Bethge, Eva Vaitl, Joachim Wichmann u.a.

Tankred Dorst, geb. 1925 in Oberlind (Thüringen), lebt in München. Dramaturg, Schriftsteller, Regisseur, Drehbuchautor. Auszeichnung u.a. Georg-Büchner-Preis (1990). Hörspiele u.a. Toller (BR/RB 1969), Auf dem Chimborazo (BR/RIAS/SDR 1974).