Selbstlos

von Karin Bellingkrodt

Regie: Angeli Backhausen
Produktion: WDR 2006
Länge: 49'

Die "Agentur für Optimismus"" hat dem Innenministerium den Plan einer "globalen Humanisierung durch systematische Reduzierung der individuellen Lebenszeit"" unterbreitet. Der Einzelne opfert sich dem Gemeinwohl, das schont die ökonomischen Ressourcen. Fortan sollen "Daseinsberechtigungsscheine"" ausgegeben werden: Wer die ihm zugewiesene Monatsmenge an Lebenszeit verbraucht hat, verschwindet einfach bis zum nächsten Ersten. Nur seine Kleider bleiben zurück, bis er irgendwann aus dem temporären Nichts splitternackt zurückkehrt. Aber wie will man die aktive Lebenszeit angemessen verteilen? Warum werden Arbeitslose, Alte und Künstler als unproduktive Konsumenten eingestuft? Warum können sich Reiche auf dem Schwarzmarkt mit zusätzlichen Lebenstagen eindecken, während andere für immer verschwinden? Als sich plötzlich ganze Berufsstände wie Krankenpfleger, Polizisten und Flugpersonal auflösen, werden die Zustände unhaltbar.

Karin Bellingkrodt, geboren 1943 in Zwickau, studierte Slawistik und Politische Wissenschaft. Dem Studium folgten Lehr- und Forschungsaufträge. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin als Autorin und Regisseurin.