Süden

von Friederich Ani

Regie: Ulrich Lampen
Produktion: SWR 2012
zweimal je ca. 57'

Tabor Süden wollte eigentlich niemanden mehr suchen. Vor Jahren hatte er München mit der Absicht verlassen, die Stadt nie mehr zu betreten. Vollkommen unerwartet erhält er einen Anruf von seinem Vater, der seit fünfunddreißig Jahren verschwunden ist. Er sei in München, lässt er Süden wissen. Doch bevor dieser weitere Fragen stellen kann, wird das Gespräch unterbrochen. Süden kehrt zurück, in »die verhunzte Stadt«, und läuft tagelang durch die Straßen auf der Suche nach einem hinkenden Mann in alter Kleidung. Erneut bleibt der Vater unauffindbar. Dafür taucht ein verwahrloster Junge auf, der seine Mutter verloren hat. Die Stadt ist voller verlorener und ausgestoßener Gestalten und schwerer Schicksale. Süden war zu lange Polizist bei der Vermisstenstelle, als dass ihn das kalt ließe. Er heuert als Detektiv an und wird sofort mit dem schwierigsten Fall der erfolgreichen Detektei beauftragt: Raimund »Mundl« Zacherl, ein Wirt aus Sendling, ist vor zwei Jahren spurlos verschwunden. Seine Ehefrau will endlich Klarheit darüber, warum er von heute auf morgen sein bisheriges Leben aufgab und sich zuvor, scheinbar ohne Grund, verändert hatte. Aus dem leutseligen Wirt war ein verschlossener Grübler geworden. Die Detektei hält den erneuten Auftrag der Ehefrau für eine aussichtslose Sache. Für Süden jedoch ist der Fall Zacherl genau das Richtige: Dank seiner eigenwilligen Methoden entdeckt er Hinweise, die andere nicht wahrnehmen würden. Und so führt ihn die Spur schließlich an die Nordsee, auf die Insel Sylt, wo Zacherl offenbar ein neues Leben beginnen wollte.

»Aus seiner Erfahrung mit Tausenden von Vermissungen bei der Kripo wusste Süden, dass manchmal ein auch für den Betroffenen selbst nicht mehr zu entwirrendes Geflecht von Verletzungen, unausgegorenen Wünschen, Panik und Frust zu einer radikalen Entscheidung führen konnte. Jahrelang hatte so ein Mensch unter etwas gelitten, das Süden einmal Zimmerlastigkeit genannt hatte, die Not eines Zimmerlings, dem jedwede Nähe entglitten war. Die offenen Wunden, die jemand durch sein Verschwinden seiner Umgebung zufügte, bluteten auch nach der Rückkehr des Vermissten weiter und nachdem die Polizisten und Psychologen mit ihren professionellen Verbandskästen längst wieder weg waren. Grausamere Echos riefen nur die Unauffindbaren hervor, jene, deren Spuren hinter dem Horizont der Nacht im scheinbaren Nichts verschwanden. Solche Langzeitvermissten wurden nach und nach zu Verschollenen und schließlich zu Schattenmenschen, die durch den Alltag der Hinterbliebenen geisterten und an Feiertagen oder Geburtstagen an extra für sie gedeckten Tischen Platz nahmen und die Gesichter der Anwesenden in Stein verwandelten.« (Friedrich Ani)

Mit Erzähler: Klaus Spürkel
Edith Liebergesell - Susanne Heydenreich
Ilona Zacherl - Saskia Vester
Elke/Automatische Stimme/Zugansagerin - Constanze Weinig
Nike Schwaiger - Julia Loibl
Hanna Bleibe - Anja Brünglinghaus
Zacherl - Sigi Zimmerschied
Carla - Marie Jung
Nadeshda - Kirstin Petri
Arnold Ridasen - Boris Koneczny
Liliane (Lilli) Jenfeld - Julia Heinze
Mills - Andreas Szerda
Gitte - Johanna Gastdorf
Benedikt/Black/Dillinger -Bonifaz Weiß
Martin Heuer -Vincent Leittersdorf
Vater Branko Süden/Hardy- Helmut Stange
Furler/Taxifahrer - Hubertus Gertzen
Wirt - Christian A. Koch
Roman - Wolfgang Maria Bauer
Erster Junge - Luca Baron
Zweiter Junge - Joshua Jacobs
Ani - Friedrich Ani

Friedrich Ani, geboren 1959 in Kochel am See, lebt als freier Autor in München. Er arbeitete als Reporter und schreibt Romane, Kinderbücher, Gedichte, Hörspiele, Drehbücher und Kurzgeschichten. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Sein Ermittler Tabor Süden gilt inzwischen als Kultfigur: Als bisher einziger Autor erhielt Ani den Deutschen Krimipreis in einem Jahr für drei Titel gleichzeitig. 2010 folgte der Adolf-Grimme-Preis für das Drehbuch nach seinem Roman »Süden und der Luftgitarrist«.