Die Sünden der Väter

von Lakhdar Belaïd
Bearbeitung und Übersetzung aus dem Französischen von Elke Bahr
Regie: Jörg Schlüter
Produktion: WDR 2002
54’

Roubaix - eine Industriestadt im Norden Frankreichs. Der hohe Anteil arabischer Zuwanderer spaltet sich in zwei Lager: In „Fellaghas“, die einst für die algerische Unabhängigkeit kämpften und „Harkis“, die mit den französischen Kolonialherren kollaborierten. Die einen sind Nationalisten und Fundamentalisten, die keinen Wert auf Integration legen, sondern ihren Traditionen fanatisch huldigen; die anderen werden von dieser Gruppe als „Assimilierte“ missachtet, die ihre eigene Kultur verraten haben. Ein dunkles Erbe, das auch die Freundschaft zwischen dem Journalisten Karim und Kommissar Bensalem überschattet, und schließlich auch andere „Söhne Mohammeds“ einzuholen droht: Die Leiche eines jungen Mannes wird mit durchschnittener Kehle und einem Pappschild mit der Aufschrift „Verräter und Sohn eines Verräters“ um den Hals aus dem Kanal geborgen. Vieles deutet auf einen Racheakt zwischen den verfeindeten Lagern hin und verweist auf Morde aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges. Aber auch kommunalpolitische Motive kommen ins Blickfeld, denn das Schüren von Angst vor der zunehmenden Gewalt könnte im Vorfeld der Wahlen die regierenden Sozialisten schwächen und dem rechtsextremen „Front National“ Stimmen bescheren. Kommissar Bensalem bittet Karim um Unterstützung.

Lakhdar Belaïd wurde 1964 in Roubaix geboren. Nach seinem Anglistik-Studium in Belfast ging er nach Paris und arbeitete unter anderem als Journalist für „France Soir“. Recherchen führten ihn nach Ex-Jugoslawien, Nordirland, in den Maghreb und wieder zurück in die französischen Vororte. Für das „Centre d’Etudes pour les Relations Internationales“ (CERI) arbeitete er über den Islam in Frankreich und die algerische Politik. „Die Sünden der Väter“ („Sérail Killers“) ist sein erster Roman.