Die Süße des Lebens

nach dem gleichnamigen Kriminalroman von Paulus Hochgatterer
Bearbeitung und Regie: Steffen Moratz
Produktion: SWR 2007
zwei Teile a 57 Min.

Ich weiß, wenn ich lange genug hier in der Kälte stehe, nur mit dem Umhang und meinen Gedanken, wird alles wieder normal werden, und wenn dieser alte Mann mit der durchgeschnittenen Kehle und dem zermanschten Kopf tief in der Erde liegt und das Loch zugeschüttet ist, wird alles vorüber sein.

Waren Sie schon einmal in Furth am See? Das nette österreichische Provinzstädtchen liegt irgendwo zwischen Gmunden und Zell und wirkt gerade in der Vorweihnachtszeit besonders idyllisch. Doch schon bald entpuppt es sich als wahres Mördernest. Zum Glück ist es nur erfunden, denn dort leben hauptsächlich Psychopathen. Ein prügelnder Familienvater, ein selbstmordgefährdeter Postbote, ein schizophrener Benediktinerpater und eine teufelsaustreibende Wöchnerin gehören zum Tagesgeschäft von Psychiater Horn, während Kriminalkommissar Kovacs mit dem nackten Grauen konfrontiert wird: In einer kalten Dezembernacht liegt ein alter Mann tot im Schnee. Sein Kopf ist zermalmt. Seine kleine Enkelin Katharina findet ihn - und hört auf zu sprechen. Die einzige Zeugin kann nicht befragt werden. Wie kann man ein siebenjähriges Mädchen wieder zum Reden bringen? Und was hat der gestörte Junge damit zu tun, der, als Darth Vader verkleidet, mit Messer und Hammer "Star Wars" spielt? Raffael Horn wird eingeschaltet, der als Psychiater die Verhältnisse in Furth am See kennt wie niemand sonst. Gegen seinen Willen wird er in die Aufklärung eines Mordes hineingezogen, dessen Motiv weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Was das Verbrechen angeht, bastelt jeder an seiner eigenen Wahrheit, denn der Hergang liegt ebenso im Dunkeln wie die Art der Tatwaffe. Aus mehreren Perspektiven wird nun beleuchtet, wie eine Kleinstadt mehr und mehr aus den Fugen gerät. Unter ihrer Oberfläche scheint das beunruhigende Psychogramm einer zerstörten Gesellschaft auf, vor der man fliehen möchte. Sie hat ein Geheimnis, das wir nicht kennen wollen. Aber wir haben leider keine Chance. Furth am See ist überall.

Paulus Hochgatterer, geboren 1961 in Amstetten/Niederösterreich, lebt als Schriftsteller und Kinderpsychiater in Wien. Er erhielt für seine Romane und Erzählungen diverse Preise und Auszeichnungen, zuletzt das Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien. "Die Süße des Lebens" wurde 2007 mit dem deutschen Krimipreis (zweiter Platz) bedacht.