Schirmspringer

von Carl Amery
Sience Fiction
Komposition: Bernhard Schmitz
Regie: Walter Adler
73'55
BR/WDR 1984

Mit Martin Schwab, Cordula Trantow, Edwin Noël, Petra Redinger, Michael Abendroth, Charles Wirths, Fred Maire u.a.

In jenem Jahr, das Orwells visionärem Roman über den totalen Überwachungsstaat als Titel diente, entstand das Hörspiel "Schirmspringer" – 1984. Auch Carl Amerys Stück variiert das Thema totaler Kontrolle: Warum kauft ein Mann Zucker und bestellt in der Stadtbibliothek Bücher eines Anarchisten? Das muss etwas besagen, damit muss es etwas auf sich haben. Und da in diesem zukunftsvisionären Spiel die allgegenwärtige Überwachung verbunden und verquickt ist mit dem Sensationsbedürfnis der Massen, und die totale Fernsehverkabelung auf Dutzenden von Kanälen Triumphe der manipulierten Information feiert, vollzieht sich eine Umkehrung des Bewusstseins: Die Wirklichkeit findet nicht in Wirklichkeit, sondern in den Medien statt. So versucht einer unter höchstem persönlichen Risiko (denn: er hat Zucker gekauft), mit einer wirklich menschlichen Tat die Öffentlichkeit auf sich, auf den Medien-Missstand, auf die Menschlichkeit hinzuweisen. Das geht aber nur unter Benutzung der allmächtigen Medien. Wie aber 'springt' man auf den 'Bildschirm', um vor der totalen 'Schirm-Herrschaft' zu warnen?

Carl Amery, geb. 1922 in München, gest. 2005 ebenda. Schriftsteller. Studium der Neuphilologie sowie Literaturtheorie und -kritik in München und Washington. Auszeichnungen u.a. Tukan-Preis (1979), Kurd-Laßwitz-Preis (1985). Werke u.a. "Global Exit" (2002), "Briefe an den Reichtum" (2005). Hörspiele u.a. "Finale Rettung Michigan" (WDR/BR 1982), "Das Penthouse-Protokoll" (WDR/BR/HR 1987).