Schon wieder ein Rasenmähermord

von Melchior Schedler
Regie: Klaus Dieter Pittrich
Produktion: WDR 1995
54’

O’Connor, Pseudonym eines Kriminalschriftstellers mit Knasterfahrung, brütet im Haus seines Verlegers über neue Groschenkrimis. Das Ambiente der Vorstadtidylle entpuppt sich als wertvolle Inspirationsquelle zu weiteren Mordgeschichten, an denen sein Nachbar ganz unfreiwillig mitschreibt. Zwei Villen mit großen Rasenflächen, dazwischen eine dichte Hecke. Zwei Nachbarn, die sich auf die Nerven gehen. Der eine mit seinem Rasenmäher, gegen die der andere mit tosender Musik ankämpft. Der Rasenmähermann findet im nachbarschaftlichen Müll Papierfetzen und Zettel, auf denen ausgefallene Mordmethoden aufgelistet sind. Das setzt seine Phantasie in Gang. Der Mann will ihn umbringen, ist vielleicht Mitglied der Mafia oder sonst einer organisierten Verbrecherbande. Er spürt, dass er nur noch überleben kann, wenn er in die Gedankengänge des anderen hineinkriecht. Deshalb beginnt er, selbst über Mordmethoden nachzudenken. So treffen sich die beiden Feinde an der Hecke und werden allmählich dicke Freunde. Der Rasenmäherfreund hat nämlich bemerkt, wie ihn das Mörderplanspiel geistig aktiviert. Endlich hat er etwas zu tun und muss den größten Teil seiner Zeit nicht mehr vorm Fernseher hocken. Seine Wiese erscheint ihm als der ideale Platz, auf dem er endlich seine phantasiegeborenen Tötungsmethoden erproben kann.

Melchior Schedler, geboren 1936 in Oberammergau, schreibt Romane, Fernsehdrehbücher, Theaterstücke und Hörspiele.