Die Stadt der Sehenden

von José Saramago
aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis
Bearbeitung: Helmut Peschina
Produktion: SR 2007 Ursendung
Länge: ca. 70´

Man stelle sich vor, in einer Demokratie stehen Wahlen an, und alle gehen hin - aber es kommt zu einem `Putsch der Politikverdrossenheit´: Die Landbevölkerung macht brav ihr Kreuzchen, in der Hauptstadt jedoch ergibt sich nach der Auszählung, dass 70 % der Bürger einen weißen Wahlzettel abgegeben haben. Konsterniert setzt die Regierung neuerliche Wahlen an. Das Ergebnis ist noch katastrophaler: 83 % aktive Nichtwähler. Eine Regierungsbildung ist nicht möglich. Die Regierung, bar jeden Gedankens an eigenes Verschulden, wittert eine Verschwörung und setzt alle erdenklichen Mittel ein gegen die nun unter Quarantäne stehenden `Terroristen´ und deren `Anschlag auf die Grundfesten der parlamentarisch-repräsentativen Demokratie´. Als die Stadt trotz der drakonischen Maßnahmen und gezielter Provokationen ruhig bleibt, wird ein Kommissar mit der Aufgabe betraut, die Schuldigen zu ermitteln...

José Saramago, 1922 in Portugal geboren. Kfz-Mechaniker, dann Angestellter der Sozialwohlfahrt (49 Entlassung aus politischen Gründen),Verlagsangestellter, freier Übersetzer und Literaturkritiker. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm mit dem Roman "Hoffnung im Alentejo" (1980), es folgten u.a."Das steinerne Floß" (1986),"Die Stadt der Blinden" (1995). 1998 erhielt Saramago den Literatur- Nobelpreis. Bei den Europawahlen 2005 war Saramago, der auf Lanzarote lebt, Kandidat der portugiesischen Kommunisten. Als Hörspiele auch "Sieben-Sonnen und Sieben-Monde oder Die Geschichte von Baltasar und Blimunda" (WDR 2000) und "Die Stadt der Blinden" (NDR 2001).