Stiller

von Max Frisch

Regie: Norbert Schaeffer und Roman Neumann
Komposition: Martina Eisenreich
Bearbeitung: Norbert Schaeffer und Roman Neumann
Produktion: NDR 2011
Länge: 88'


Ein Mann mit amerikanischem Pass wird bei seiner Einreise in die Schweiz wegen Spionage-Verdachts arretiert. Man hält ihn für den verschollenen Schweizer Bildhauer Anatol Ludwig Stiller. Der Inhaftierte leugnet das, stattdessen beginnt er zu konfabulieren, erzählt seinem Wärter abenteuerliche Geschichten von einem Leben in Mexiko, in dem er gleich mehrere Morde verübt haben will. In der Zwischenzeit bezeugen immer mehr Freunde und Bekannte, selbst die verlassene Ehefrau Julika, seine Identität. Julika wurde von Stiller in einem Lungensanatorium zurückgelassen, nachdem seine Affäre mit einer jungen Frau gescheitert war. Doch immer noch beharrt der Inhaftierte: „Ich bin nicht Stiller".

Erst nach diversen Manövern ist er zu einem Geständnis bereit. Was bedeutet Identität? Wie kommt sie zustande? Ist sie unumstößlich oder wandelt sie sich? Was Frisch vor 55 Jahren literarisch durchspielte, hat die Neurobiologie heute bestätigt: das Ich ist nichts Festes. Der Mensch ist nie, was er einmal war. Und natürlich ist Stiller er selbst. Doch ist er stets auch der, der er sein könnte, sein wollte und kurzzeitig auch ist.

Mit: Samuel Weiss, Andreas Krämer, Siegfried W. Kernen, Roger Stilz, Hans-Rudolf Twerenbold, Michael Neuenschwander, Karin Pfammatter u.a.

Max Frisch (geboren 15. Mai 1911 in Zürich; gestorben 4. April 1991 ebenda) war ein Schweizer Schriftsteller und Architekt. Mit Theaterstücken wie „Biedermann und die Brandstifter" oder „Andorra" sowie mit seinen drei großen Romanen „Stiller", „Homo faber" und „Mein Name sei Gantenbein" erreichte Frisch ein breites Publikum und fand Eingang in den Schulkanon. Darüber hinaus veröffentlichte er Hörspiele, Erzählungen und Prosawerke sowie zwei literarische Tagebücher (über die Zeiträume 1946 bis 1949 und 1966 bis 1971).