Tannöd

von Andrea Maria Schenkel

Hörspielbearbeitung und Regie: Norbert Schaeffer
mit: Michael Vogtmann, Katharina Schmuttermaier, Elisabeth Tscharke, Christa Berndl, Franziska Ball, Monika Manz, Stephan Zinner, Markus Brandl, Udo Wachtveitl u.a.
Produktion: NDR 007
71'

Sie galten als eigenbrötlerisch, mürrisch und finster. Hausten auf einem abgelegenen, verwahrlosten Hof. Hüteten ein Geheimnis, von dem alle wussten. Jetzt sind sie tot: der Bauer, seine verhärmte alte Frau, die Tochter mit den beiden Kindern, die neue Magd. Ermordet mit einer Spitzhacke. Das Blutbad auf dem Dannerhof Mitte der fünfziger Jahre wird in einer Fülle von Hörbildern rekonstruiert: Protokolle der Dorfbewohner wechseln sich ab mit inneren Monologen. Alle kommen zu Wort, auch der Mörder. Die Stimmen schwellen an zu einem Chor aus Lebenden und Toten, Schuldigen und Unschuldigen, dem Täter und den Opfern. Immer engmaschiger webt Andrea Maria Schenkel ihre Textur aus Protokollen und Erzählung, Außen- und Innenbetrachtung, Chronik und Alptraum. Eine Familien-Tragödie archaischen Zuschnitts und das Porträt einer von Katholizismus und Bigotterie beherrschten bäuerlichen Dorfgemeinschaft mit traumatischem Beziehungsgeflecht.

Eine ähnliche Geschichte trug sich tatsächlich zu, 1922 in Oberbayern: Dorfbewohner durchsuchten den Einödhof Hinterkaifeck, weil ein Kind unentschuldigt in der Schule fehlte. Bauer, Bäuerin, deren verwitwete Tochter, Enkelin, Enkel und Dienstmagd – alle waren ermordet worden. Der Hof wurde bereits 1923 abgerissen, die Akten 1955 geschlossen. Der Mörder ist nie gefunden worden.

Andrea Maria Schenkel, geboren 1962 in Regensburg, lebt mit ihrer Familie in Pollenried im Landkreis Regensburg. Ihr Romandebüt „Tannöd“ wurde 2007 mit dem deutschen Krimipreis (1. Platz) und mit dem Friedrich-Glauser- Preis für das beste Krimi-debüt ausgezeichnet.