Radio Tatort: Tödliche Kunst

von Katja Röder und Fred Breinersdorfer

Regie: Walter Adler
Produktion: SWR 2012
Länge: 54'

July Bloomberg, 93-jährige Enkelin eines jüdischen Fabrikanten und Teilnehmerin einer jüdischen Reisegruppe, stirbt bei einem Sturz vom Balkon ihres Stuttgarter Hotelzimmers. Die Behörden vermuten zunächst ein fremdenfeindliches Motiv. Aber was wollte die alte Dame wirklich in Stuttgart? Welche Bedeutung kommt einem Gemälde von Otto Dix zu, das einst ihrem Großvater gehörte? Und wie kommt es, dass ihr Enkel ihr Hals über Kopf aus New York nachgereist ist? Außerdem scheint ein Teilnehmer der Reisegruppe offenbar mehr über July zu wissen, als er zugibt. Xaver Finkbeiner (Ueli Jäggi) und Nina Brändle (Karoline Eichhorn) vom LKA nehmen die Ermittlungen auf. Sie führen in das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte.

Mit: Ueli Jäggi, Karoline Eichhorn, Rüdiger Vogler, Rolf Kanies, Marcus Calvin, Ernestine Kahn, René Ash und anderen

Fred Breinersdorfer, Jahrgang 1946, Studium der Rechtswissenschaften und Soziologie in Mainz und Tübingen. Tätigkeit als Autor und Rechtsanwalt in Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen und Filme, auch als Produzent und Regisseur. Hörspielproduktionen und Radio-Comics für WDR und SDR (u. a. "Big City in Gefahr"). Diverse Preise und Auszeichnungen, u. a. "Oscar"-Nominierung 2006 für "Sophie Scholl - die letzten Tage" (Bester fremdsprachiger Film).

Katja Röder, Jahrgang 1975. Philosophie- und Jurastudium. Schauspielausbildung und Engagements am Theater und beim Film. 2006 übernahm sie die Leitung des Theaters des Kulturzentrums Pasinger Fabrik in München. Seit 2009 Zusammenarbeit mit Fred Breinersdorfer an Film- und Theaterprojekten. 2010 Drehbuchförderung für das Spielfilmprojekt "Masernparty" (gemeinsam mit Fred Breinersdorfer).

Der ARD Radio Tatort steht nach der Ausstrahlung vier Wochen lang auf www.radiotatort.ARD.de zum kostenlosen Download zur Verfügung.


Pressefoto von den Aufnahmen im Hörspielstudio:
Nina Brändle (Karoline Eichhorn) und Xaver Finkbeiner (Ueli Jäggi)


Bild: © SWR/A. Kluge
Verwendung ausschließlich im engen redaktionellen Zusammenhang mit genannter SWR-Sendung


"Eine echte Herausforderung"

Interview mit Fred Breinersdorfer

Herr Breinersdorfer, wie schreibt man zu zweit an einem Drehbuch oder einem Buch fürs Hörspiel?

F. B.: Der Plot entsteht in gemeinsamen Gesprächen, dann liest man, recherchiert man. Im zweiten Schritt müssen Ideen und Material strukturiert werden, lebendige Figuren dazukommen, damit daraus eine Geschichte entsteht. In diesem Fall hat Katja die wichtige erste Fassung des Exposés geschrieben, ich überarbeitet. Dann bespricht man den Text gemeinsam mit der Redaktion. Die erste Fassung des Hörspieltextes stammte wieder von Katja, wobei wir über viele Details diskutiert und manchmal heftig gestritten haben. Ich habe die Reaktionen des Dramaturgen Ekkehard Skoruppa bearbeitet, was Katja anschließend poliert hat.

Hat der Fall "Tödliche Kunst" ein Vorbild im realen Leben?

F. B.: Ich habe jahrelang als Anwalt die Otto-Dix-Stiftung vertreten. Soweit ich weiß, gibt es glücklicherweise keine Mordfälle, aber beinharte Auseinandersetzungen sind nicht selten bei der Durchsetzung von Restitutionsansprüchen auf von den Nazis gestohlenen oder erpressten Kunstwerken.

Man kennt Fred Breinersdorfer fast ausschließlich als Fernsehautor oder als Romanautor. Was bedeutet Ihnen das Hörspiel?

F. B.: Eine echte Herausforderung: Einerseits muss man die akustische Ebene buchstäblich in den Ohren und im Kopf haben und auf jegliche optische Erzählweise verzichten, andererseits hat man technisch ungeahnte Möglichkeiten. Zwei Worte in einem Drehbuch können einen Film unfinanzierbar machen. Beispielsweise "Rom brennt". Für einen Hörspielregisseur ist dagegen die Umsetzung dieser beiden Worte eine reizvolle Aufgabe in normalem Kostenrahmen.

Welche Figur liegt Ihnen persönlich näher: der Badener Xaver Finkbeiner oder die Schwäbin Nina Brändle?

F. B.: Als geborener Kurpfälzer und echter Baden-Württemberger stehen mir beide sehr nahe. Sie sind Ausdruck der landsmannschaftlichen Vielfalt unserer Gegend. Das macht das Hörspiel lebendig.

Wann und wo hören Sie am liebsten Hörspiele?

F. B.: Am liebsten im Auto und nachts.

Gibt es Pläne für weitere Krimis in der ARD Radio Tatort-Reihe?

F. B.: Ja, ein weiteres Hörspiel ist in Vorbereitung.

Das Interview führte Oliver Kopitzke (Pressestelle des SÜDWESTRUNDFUNK).


Quelle: Pressestelle des SÜDWESTRUNDFUNK, 76522 Baden-Baden, 30. August 2012