Die Töter

von Kai Grehn
Komposition: Sandow
Regie: Michael Schlimgen
Produktion: WDR 1998
51'

Joe sitzt in der Todeszelle im Walla-Gefängnis, Washington. Er sitzt in seiner Zelle und frisst um sein Leben. Sechseinhalb Zentner wiegt er jetzt. Neben den Kalorienpaketen würgt er pausenlos übers Zellenfernsehen Sendungen über Gewalt, Grausamkeit, Demütigung und Lebensverachtung in sich hinein, um den Ekel beim Fressen mit Ekel zu bekämpfen. Der Töter soll getötet werden: „Wie also weiter? Weiterwaten durch das wogende Meer von Scheiße, durch 99 Kanäle meines Fernsehdeltas, wie im Delirium TV-Dinner würgen, bis zum Gipfel ...“. Noch spekuliert Joe darauf, dass er wegen seines monströsen Gewichtes nicht gehängt werden kann. Ein Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung verbietet „grausame oder ungewöhnliche Strafe“. Als Gegner des Gesetzes ist er auch sein Opfer und will es zugleich benutzen.

Kai Grehn, geboren 1969 in Grevesmühlen, arbeitet in Berlin als freier Autor und Übersetzer für Theater und Hörfunk. Er studierte Theaterregie und Kulturwissenschaften, gründete das „Theater fleur du mal“, inszenierte mit der Band „Sandow“ mehrere Theaterstücke und Hörspiele.