Traumschiff

von Michael Koser
Regie: Werner Klein
BR 2001
54'

Babylon, Vereinigte Staaten von Europa. 21. September 2015. Sechs Uhr zehn. Die Sonne geht auf. Laut Kalender. Zu sehen ist es nicht. Seit Monaten streiken die Putzbrigaden. Der Klimadom ist dicht. Darunter tun 20 Millionen Babylonier das, was sie immer tun. Aufstehen. Schlafengehen. Herumlaufen. Sich umbringen. Liebe machen. Gar nichts machen. Ein Tag wie jeder andere. Nur nicht für Sam. Heute ist sein Geburtstag. Sam ist der Computer von Jonas. Mit zahllosen verbalen Ticks. Unausstehlich. Und unentbehrlich. Und während sich Jonas und Sam darüber streiten, ob Computer überhaupt Geburtstag feiern, klingelt das Fön.
Kurz darauf betritt Jonas einen klotzigen Dampfer, der aussieht wie die selige „Titanic": das Gebäude der Großreederei Parnassis. Keine Holo-Illusion. Alles echt. Und echt ist auch Jason Parnassis, der einen Auftrag für ihn hat. Jonas soll auf die „Kalispera". Auf das Luxusschiff der wirklich reichen Senioren, das für die Reederei in der Karibik kreuzt. Mit der „Kalispera" stimmt was nicht, meint jedenfalls Frau von Kohlen und Reibach, deren Großvater dort Passagier ist. Seit Wochen kann sie ihn nicht erreichen. Ihm muss etwas zugestoßen sein. Und nicht nur ihm, sondern auch anderen Senioren. Die Schiffsführung schweigt dazu. In den nächsten Tagen verwandelt sich Jonas dank Plastiface in Jaromir Jodokus. 96 Jahre. Und hässlich wie die Nacht.

Michael Koser, Jahrgang 1938, schreibt seit über 30 Jahren vor allem für das Radio und hat sich auf Kriminalhörspiel-Reihen konzentriert; es entstanden die Reihen "Die Denkmaschine" mit über 70 Abenteuern von Professor van Dusen und "Der letzte Detektiv" mit bislang 32 Folgen. 1973 erhielt er den Kurt-Magnus-Preis der ARD.