Treibjagd

Eine Erwerbslosen-Tragödie von Georg W. Pijet (1907-1988)

Komposition Bernd Kleinow
Regie Barbara Plensat
Ton Gisela Kuschnierz
Mit Ernst Weber/Joachim Kaps, Röbers/Walter Plathe, Richter/Wolfgang Brunecker, Staatsanwalt/Carl-Hermann Risse, Verteidiger/Arno Wyzniewski
Mundharmonika-Improvisationen von Bernd Kleinow
Produktion Rundfunk der DDR 1983
Dauer 51'25 / MONO

Der dem Hörspiel "Treibjagd" zugrundeliegende Fall - zwei junge Arbeitslose hatten 1930 einen Zug zum Entgleisen gebracht und den Tod von 21 Menschen verursacht - erregte seinerzeit großes öffentliches Aufsehen. Mit Reflexionen der jugendlichen Täter wird vom Geschehen erzählt. Für die gesellschaftlich Ausgestoßenen ist der Zug mit seinen wohlhabenden Reisenden Symbol einer anderen Welt: Wunschbild und Gegner zugleich. Akustische Streifzüge durch Wohlfahrtsamt, Arbeitsamt, Nachtasyl, aber auch durch Salons und Restaurants und das hektische Leben auf der Straße, versuchen dem Hörer, das Klima der Jahre zwischen 1920 und 1930 nahe zu bringen, aus deren politischem und sozialem Zustand sich die Tat der beiden Arbeitslosen erklärt.

Die Gerichtsverhandlung am Ende des Hörspiels vermittelt dem Hörer die Entscheidung, wer zu verurteilen ist: Hunger und Arbeitslosigkeit.

Die "Treibjagd" wurde trotz großer Resonanz in der Öffentlichkeit nur einmal live vom Breslauer Sender am 28. Mai 1931 ausgestrahlt. Am Vortage erfolgte die Umwandlung des Todesurteils in eine lebenslängliche Haftstrafe.

Georg W. Pijet, 1907 in Berlin geboren, zählt zu den Rundfunk- und Hörspielpionieren der Weimarer Republik. Schon als Kind "Theaterenthusiast", wurde er Banklehrling, der sein Lehrgeld in die Theater trug. Er schrieb Theaterstücke, war Mitarbeiter der Arbeiterbühne, Kolumnist für den Rundfunk und Initiator der Spielgruppe "Rote Welle", die bis zum 30. Januar 1933 auftrat.