Unbescholten

von Gerhard Niezoldi
Regie: Fritz Peter Vary
Produktion: WDR 1968
59'

Schon in seinem Hörspiel „Mackenzies Messer“ beschäftigte sich Niezoldi mit dem Thema „Aggression“. Nun greift er es ein zweites Mal auf. In diesem Fall handelt es sich jedoch nicht um die wohlbekannte offene Aggression gegen Außenseiter, sondern um die versteckte des angepassten Menschen, der scheinbar ruhig dahinlebt. Ein braver Bürger, beliebt und geschätzt bei Freunden und Kollegen und natürlich „unbescholten“, verabscheut sein Mitläufertum. Unfähig auszubrechen, bringt ihm seine Anpassungsgabe nicht Ruhe ein, sondern Konflikte.

Gerhard Niezoldi, geboren 1921, studierte nach dem Krieg Germanistik und Philosophie in Greifswald und Tübingen. Seit 1959 war er Dramaturg, später Hörspielchef beim RIAS Berlin.

Harald Juhnke, wird als Harry Heinz Herbert Juhnke am 10.06.1929 als Sohn eines Polizeibeamten in Berlin-Wedding geboren. Nach dem Abitur Schauspielunterricht, 1948 erster Bühnenauftritt im Haus der Kultur der Sowjetunion (Maxim-Gorki-Theater) in der Rolle eines jungen Offiziers. 1950 erstes Engagement am Theater Neustrelitz. Von dort wechselte Juhnke an die Freie Volksbühne in Berlin. Später hat er verschiedene Engagements als freischaffender Schauspieler in Hamburg, Köln, Düsseldorf und München. 1966 erntet er in München Publikums- und Kritikerlob in der Rolle des Liebhabers in dem Boulevardstück "Jungfrau auf dem Wolkenkratzer".
In den 50er Jahren entdeckt Carl Fröhlich den Schauspieler für den Film. 1953 steht Juhnke für "Drei Mädchen spinnen" erstmals vor der Kamera und dreht dann über 70 Kinofilme. In den 70er Jahren kommt der Entertainer zu breiter Popularität als Serienstar vor allem durch das Fernsehen. Er spielte u.a. in den Serien "Ein Mann für alle Fälle" sowie "Ein Mann will nach oben". 1977 – 1980 begeistert er das Publikum mit der Unterhaltungsreihe "Ein verrücktes Paar". 1979 übernimmt Juhnke als Nachfolger des verstorbenen Peter Frankenfeld die Moderation der ZDF-Sendung "Musik ist Trumpf". 1981 – 1984 spielt er in der Serie "Leute wie du und ich", 1981 in der ZDF-Komödie "Es bleibt in der Familie".
Nebenher fand Juhnke immer wieder Zeit für Bühnenengagements, z. B. 1981 in "Happy End" (Brecht/Weill) am Münchner Residenztheater.
1986 übernimmt Juhnke in der Vorabend-Serie "Drei Damen vom Grill" die Rolle des Trödelhändlers Ottmar Kinkel und in der NDR-Sketchreihe "Harald & Eddie" brilliert er gemeinsam mit Eddi Arent. 1987 festes Engagement am Berliner Renaissance-Theater. 1987 spielt Juhnke den Archie Rice in Osbornes "Der Entertainer". 1990 steht er in Molières "Der Geizige" auf der Bühne. 1992/1993 feiern die Berliner Kritiker und das Theaterpublikum Juhnke sowie seine Partnerin Hannelore Hoger in Peter Turrinis "Alpenglühen".
1992 kehrt Juhnke auf die Leinwand zurück, mit der Nebenrolle des Ressortleiters Kummer in Helmut Dietls Film "Schtonk", für die er 1993 mit dem Ernst-Lubitsch-Preis geehrt wird.
1995 übernimmt Juhnke die Hauptrolle in Tom Toelles TV-Verfilmung des Hans-Fallada-Romans "Der Trinker". Er spielt die Hauptrolle im "Hauptmann von Köpenick", den Katharina Thalbach im Januar 1996 am Berliner Maxim-Gorki-Theater inszeniert und ist 1997 in Frank Beyers Neuverfilmung der zuckmayerschen Tragikomödie ebenfalls als Schuster Voigt zu sehen.
Seit 1979 stellten Alkoholprobleme Juhnkes Karriere immer wieder in Frage, immer wieder schaffte der Vollblutkomödiant jedoch sein Comeback. Von 2001 an lebte der demenzkranke Entertainer in einem Pflegeheim in Rüdersdorf bei Berlin, wo er am 1. April 2005 im Alter von 75 Jahren starb.