Unerwartete Ereignisse

Eine schwarze Komödie

von Heinz von Cramer

Regie: Burkhard Schmid
Produktion: HR 2012
Länge: 52'

Unerwartete Ereignisse stellen sich ein, als die Frau des Protagonisten in der Küche unvermittelt tot umfällt, und er sich versehentlich mit dem Brotmesser tief ins Fleisch schneidet, um dann feststellen zu müssen, völlig schmerzunempfindlich geworden zu sein. Und offenbar ist er nicht alleine damit. Der Umgang miteinander ist zwangsläufig rauher geworden, allein schon um die Spreu vom Weizen zu trennen.

In dieser leichten und makabren Zukunftskomödie ist der Schmerz verschwunden und damit allerhand Probleme. Allerdings sind mit ihm auch die Gefühle verschwunden, denn jedes Gefühl trägt als Keim den Schmerz in sich. So ist das gesamte Vokabular der Literatur ohne Bedeutung, Wörter wie Liebe, Hass und Leidenschaft – unbekannt.

Heinz von Cramers letztes eigenes Hörspiel, das er durch seinen überraschenden Tod im März 2009 nicht mehr selbst realisieren konnte, diagnostiziert die Empfindungslosigkeit als potentielle Selbststärkung des Menschen gegenüber noch unbekannten künftigen Katastrophen – aber weshalb sollte es ein Verdienst sein, Mensch zu sein?

Mit: Martin Reinke, Susana Fernandes Genebra, Siemen Rühaak u.v.a.

Heinz von Cramer (1924-2009), in Stettin geboren, Regisseur, Autor und Komponist, lebte seit den 50er Jahren in Italien, gilt als der Doyen des Deutschen Hörspiels über mehr als fünfzig Jahre.

Das Hörspiel wurde mit dem Kurd-Laßwitz-Preis für das beste Hörspiel des Jahres 2012 ausgezeichnet; zudem wählte die in Bensheim ansässige Deutsche Akademie der Darstellenden Künste das Stück zum Hörspiel des Monats Mai 2012. In der Begründung der Jury heißt es: »Das Hörspiel erweist in der Form der utopischen Literatur dem Genre der schwarzen Komödie mit all ihren gezielten Tabubrüchen und Geschmacklosigkeiten seine Reverenz. Zugleich bedient und unterläuft Heinz von Cramer dabei subtil die Erzählweisen des klassisch-konventionellen Hörspiels«.