Veit

von Thomas Harlan

Regie: Bernhard Jugel
BR 2011

Bis zu seinem Tod am 16. Oktober 2010 in Berchtesgaden arbeitete der Schriftsteller und Filmemacher Thomas Harlan an seinem letzten Text mit dem Titel "Veit". Der an seinen Vater, den Filmemacher Veit Harlan (Jud Süß) gerichtete Monolog, setzt sich in direkter Weise mit der Rolle seines Vaters im NS-Regime und der Frage der persönlichen Schuld auseinander. "Sage, Vater, sage nicht, es könne niemand die Verantwortung für die Taten eines Dritten übernehmen, der selbst keine Verantwortung für seine Taten zu haben denkt. Es kann." Thomas Harlans "Veit" ist ein Vermächtnis. Nicht allein sein Leben betreffend. Unser aller. Harlan legt den Finger tief in die deutsche Wunde, es gibt längst kein Entkommen mehr: "Wenn Du Deine Verantwortung nicht trägst, gestehe ich sie mir ein, ich übernehme sie an Deiner statt, auch wenn Du nicht willst, wenn Du Dich sträubst. Vater, sträube Dich nicht." "Veit" ist ein Klagegesang, ein Lamento, "Veit" ist aber auch Mitgefühl: "Du hast jahrelang gelitten unter Gewichten, die zu schwer waren für einen Menschen allein. Du warst ein Mensch allein." Und zugleich das unermüdliche Pochen auf die Wahrheit, unbarmherzige Bilanz: "Verzeih, dass ich Dich vergessen hatte, dass ich Dir meine Treue entzog und meine Sohnesliebe, dass ich an Dir entlang ging, als seiest Du nur eine Landschaft, ein Abgrund, als hätte ich verhüten wollen, in ihn zu stürzen, in Dir umzukommen. Ich bin in Dir umgekommen."

Mit Thomas Thieme

Thomas Harlan (1929-2010), Autor, Filmemacher. Weitere Hörspieladaptionen "Rosa - Die Reise nach Kulmhof" (BR 2001)," Heldenfriedhof"(BR 2006).