Verhör

von Friedrich Glauser
Regie: Clemens Eich
Produktion Norddeutscher Rundfunk 1994
50'

Ein Wirtschaftsführer sitzt im Verhör seinem Untersuchungsrichter gegenüber. Zuvor hatten subalterne Polizeibeamte ihn mit ihren Fragen gequält und gepeinigt. Ein glatzköpfiger Kommissar hatte es sogar gewagt, ihn einen Mörder zu nennen. Dabei hatte er nur zufällig mit dem jungen Mann, der im Zug erschossen wurde, dasselbe Abteil geteilt. Zugegeben, der tödliche Schuss war aus seiner Pistole abgegeben worden, aber auch dafür gibt es eine Erklärung. Und dass seine Frau hübsch und ausserdem bedeutend jünger ist als er - was soll das mit diesem Fall zu tun haben?
Glauser schrieb in seinem bewegten Leben sechs Kriminalromane und über hundert Kriminalerzählungen. Der Monolog "Verhör" ist ein schönes Beispiel für die Kunst Glausers: er ist gleichzeitig kühl und leidenschaftlich, und er wirkt auch über 60 Jahre nach seinem Tod noch taufrisch.

Mann: Peter Fitz

Friedrich Glauser wurde 1896 in Wien geboren. Die Mutter war Österreicherin, der Vater Schweizer. Sein Leben war von Rastlosigkeit geprägt, unzählige Orte und Stationen säumten seinen Weg: Schulen in der Schweiz und in Österreich, Erziehungsheime, Gefängnisse und Psychiatrische Kliniken. Friedrich Glauser lebte in Frankreich, Belgien und Italien, war lange Zeit morphiumsüchtig, verbrachte einige Jahre in der Fremdenlegion und nahm teil an der Dadaismus-Bewegung in Zürich. Er starb 1938 in Nervi bei Genua vermutlich an einer Überdosis Schlaftabletten.