Die verlorene Ehre der Katharina Blum

oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann
nach der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll

Hörspielbearbeitung und Regie: Hermann Naber
Komposition: Mauricio Kagel
Mit: Katharina Zapatka, Krista Posch, Hannelore Hoger, Friedhelm Ptok, Walter Renneisen, Uwe Friedrichsen u.a.
Produktion: SWF 1997 77'

Auf einer Party verliebt sich die junge Haushälterin Katharina Blum in einen Mann, der von der Polizei gesucht wird. Plötzlich gerät sie in den Verdacht, ihm zur Flucht verholfen zu haben. Gierig stürzt sich die Boulevardpresse auf die hübsche Frau: Weist nicht alles darauf hin, dass Katharina Blum schon lange die Komplizin des Gewaltverbrechers gewesen ist? Die Hetze beginnt, systematisch das Leben der jungen Frau zu zerstören und provoziert schließlich eine radikale Gegenwehr.

Heinrich Böll musste Anfang der 70er Jahre selbst erfahren, was es bedeutet, Opfer der Boulevardpresse zu sein, als er sich für eine sachliche Berichterstattung über die RAF einsetzte und seine Wohnung von der Polizei durchsucht wurde. Im Vorwort zu seiner Erzählung schreibt Böll: „Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der ‚Bild’-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“

Heinrich Böll, ( 1917- 1985) nach wehrmachtsdienst und kurzzeitiger Kriegsgefangenschaft veröffentlichte böll ab 1947 Kurzgeschichten und Romane. Er gehört zu den kritischen literarischen Stimmen der Nachkriegszeit. „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ gilt als sein bekanntestes Werk. Es wurde in über 30 Sprachen übersetzt und verfilmt. Sein erstes Originalhörspiel schrieb er 1952 für den damaligen SDR in Stuttgart. Zahlreiche Hörspiele folgten. 1972 erhielt Böll den Literaturnobelpreis.