Die Versuchung

von Benno Meyer-Wehlack

Regie: Fritz Schröder-Jahn
Produktion: NDR 1957
Länge: 32'

Ein junger und ein alter Mann sitzen früh morgens am Flussufer. Der Alte angelt, der Junge hat die Nacht durchgemacht und sucht Arbeit in einer der nahe gelegenen Fabriken. Stille, die von kargen Wortwechseln unterbrochen wird. Aber dann taucht am Ufer plötzlich eine Leiche auf, die Leiche eines Mannes und die Versuchung nimmt ihren Anfang. In der Tasche des Toten findet sich ein Bündel mit Geldscheinen: 2000 Mark. Was hat ein Toter von seinem Geld? Hält man dicht, reicht es vielleicht für einen Zigarrenladen mit zwei Schaufenstern, die Namen des Alten und des Jungen über der Tür. Wenn man die Sache macht, muss man sie gemeinsam machen. Und wenn es für einen Zigarrenladen nicht reicht, reicht es für eine Selterswasserbude oder für einen Würstchenstand, für irgendeinen kleinen Anfang. Doch solche Fantasien, solche Spekulationen rechnen nicht mit dem Toten im Gras. Ihn müsste man - erst berauben und dann wieder ins Wasser schmeißen. Als die Wasserschutzpolizei vorbeifährt, fallen beide aus ihrer Wunschtraumwirklichkeit und rufen: "Wir haben eine Leich hier!" Die Versuchung ist vorüber. Eine Prämie dafür, dass sie bestanden wurde, gibt es nicht.

Mit: Erich Weiher, Gerd Martienzen

Benno Meyer-Wehlack, am 17. Januar 1928 in Stettin geboren, Schriftsteller, Hörspiel- und Drehbuchautor, lebt in Berlin.