Das vierte Skalpell

von Hans Gruhl
Bearbeitung: Hans-Georg Berthold
Regie: Curt Goetz-Pflug
Komposition: Wolfgang Wölfer
Darsteller: Martin Hirthe, Elisabeth Hitzenberger, Reinhold Bernt, Günther Tabor, Heinz Welzel, Sigrid Pein, Arnold Marquis und Ruth Scheerbarth
Produktion: Sender Freies Berlin/ Westdeutscher Rundfunk 1966

Dr. Johannes Thomsen ist aus Hamburg angereist, um die Stelle des Röntgenarztes in einem Kölner Krankenhaus anzutreten und will sich zunächst einmal die Wohnung ansehen, die der Student Klaus Wildbold inseriert hat. Dass man einen Kandidaten der Medizin über ein Lehrbuch der Chirurgie gebeugt antrifft, ist nicht verwunderlich. Dass aber ein blinkendes Skalpell in seinem Rücken steckt, ist ein Schock, selbst für einen Mann, der an den Umgang mit derlei Geräten gewöhnt ist.
Wer hatte ein Interesse daran, einen hoffnungsvollen jungen Mediziner gewissermaßen mit den eigenen Waffen zu schlagen? Und wer ist das aufregend schöne Mädchen im Bilderrahmen auf dem Schreibtisch des Toten? Dr. Thomsen soll der jungen Dame schon bald persönlich begegnen. Viel Zeit sich kennenzulernen bleibt ihnen nicht, denn ein neuer Mord verhindert, dass wieder Ruhe im Krankenhaus einkehrt: Auch im Rücken des Klinikchefs Professor Stickhahn steckt ein Skalpell - und wieder ist Dr. Thomsen der glückliche Finder.
Nur der Sympathie von Kommissar Nogees hat es Dr. Thomsen zu verdanken, dass er noch nicht in Untersuchungshaft sitzt. Schließlich sind die erstochenen Mediziner in seiner unmittelbaren Nähe gestorben. Thomsen sucht auf eigene Faust nach Indizien. Der Mörder muss schnellstens gefunden werden, denn zwei weitere Skalpelle sind verschwunden. Wo liegt die Verbindung zwischen den Toten? Sie arbeiteten am selben Krankenhaus... In alten Operationsprotokollen stößt Thomsen auf eine heiße Spur.

Hans Gruhl starb aber auf eine Weise, wie sie einem Krimiautor angemessen erscheint: an der Schreibmaschine, bei der Arbeit an einem neuen Kriminalroman. Wohl um sich in eine entscheidende Szene seiner Geschichte zu versetzen - so wurde später Freunden berichtet - hielt er sich seine Pistole an die Schläfe. Das Magazin hatte er vorher entleert, man fand die Patronen später im Wollflausch seines Teppichs. Aber er hatte offenbar nicht bedacht, daß sich eine Patrone noch im Lauf befand. Er wurde zu spät gefunden. Tot. Kaum 50jährig. Hans Gruhl war doppelt promovierter Mediziner und Philologe, Kinderarzt und Röntgenologe. Aber er praktizierte nicht regelmäßig, nur als Urlaubs- und Krankheitsvertreter seines Vaters in München. Er beobachtete lieber die Menschen in der Stadt, und was er sah, schrieb er auf. So entstanden seine Geschichten.
Hans Gruhl, am 25. Dezember 1921 in Bad Altheide/Schlesien geboren, promovierte zum Dr. med. und Dr. phil., war Seemann, Kinderarzt und Autor unterhaltsamer Erzählungen und Romane. Zu seinen beliebtesten Büchern gehören die Geschichten um den Dackel Blasius ("Liebe auf krummen Beinen" und "Ehe auf krummen Beinen"). Gruhl war zudem einer der wenigen Vertreter deutscher Kriminalliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg, bevor 1962 der Boom des neuen deutschen Kriminalromans einsetzte. Autoren wie Hans-Jörg Martin sehen in Gruhls heiter-spöttischen Kriminalromanen - insbesondere "Fünf tote alte Damen" - ihr literarisches Vorbild. Hans Gruhl starb am 11. Oktober 1966 in München